TEAM HAWAR.help: MEET MECBURE

In den kommenden Monaten werden wir das derzeit 12-köpfige Team von HAWAR.help vorstellen. Diesen Dezember geht es um Mecbure.

Was machst Du bei HAWAR.help?

Ich führe in Brandenburg wöchentlich Workshops mit jesidisch-kurdischen Flüchtlingen durch. Die Flüchtlinge halten sich erst seit kurzem in Deutschland auf und leben in einer Gemeinschaftsunterkunft. Sie sind Überlebende des Genozids im Irak, der vom „Islamischen Staat“ begangen wurde. Ich höre oft, dass Geschwister, der Vater oder andere Familienangehörige noch vermisst werden und dann fließen auch mal die Tränen. Da ich keine Therapeutin bin, gehe ich auf die Traumata nicht ein und hole sie ins Hier und Jetzt zurück. Ziel des Workshops ist es, die Flüchtlinge beim Integrationsprozess in Deutschland zu unterstützen. Dabei liegt der Fokus auf Kultur, Bildung, Empowerment von Frauen und Erholung. Ich spreche mit den Teilnehmer/innen des Workshops in Kurmancî-Kurdisch, das ist vor allem am Anfang wichtig, da fast alle noch nicht über ausreichend Deutschkenntnisse verfügen. Bisher haben wir je nach Wetterlage folgende Aktivitäten unternommen: Im Sommer Picknick im Park, Wanderungen in der Natur, Grundlagen der deutschen Alltagssprache als Training, Malen für Kinder, Besuch eines Cafés und eine Bootstour. Die Flüchtlinge bringen sich mit ihren Wünschen und Bedürfnissen aktiv in die Gestaltung der folgenden Workshops ein.

Was bedeutet HAWAR.help für Dich?

HAWAR ist eine unglaublich wichtige Organisation, die denjenigen Menschen eine Stimme verleiht, die gesellschaftlich sonst schnell wieder in Vergessenheit geraten würden. Wer baut z.B. die Shingal-Region wieder auf, die der IS durch Terror und Gewalt zerstört hat? Hunderttausende Menschen, darunter vor allem die jesidische Bevölkerung dieser Region, leben seit Jahren in Zelten. Die HAWAR-Projekte sind ein Hoffnungsschimmer in einer Zeit, die gerade für religiöse Minderheiten im Nahen Osten nichts anderes übrig hat als Schrecken, Exekutionen, Terror, Frauenverachtung und Missbrauch von Kindern. HAWAR steht für mich für Freiheit und Selbstbestimmung unabhängig davon in welcher Region wir leben.

Was hast Du gemacht, bevor Du zu HAWAR.help gekommen bist?

Ich bin Diplom-Soziologin und Mediatorin für Gewaltprävention. Meine Kindheit und Jugend habe ich in Rastede bei Oldenburg verbracht. Geboren bin ich in Nusaybin. Nach meinem Studium in Frankfurt am Main zog ich 2008 nach Berlin und arbeite im Anschluss für diverse NGOs, insbesondere im Bereich Jugend war ich bisher umfassend praktisch tätig: politische Bildung, Berufsberatung und Freizeitgestaltung. Daneben gab es auch Integrationsprojekte und 2014 ist für mich das Thema „Prävention von Extremismus“ dazugekommen. Auch Antisemitismus kommt in meinen beruflichen Sphären immer wieder vor. Die politischen Extremisten wie die Jihadisten vom IS haben in der Regel nicht nur ein Problem mit der jesidischen Religionsgemeinschaft, sondern würden auch die jüdische Religionsgemeinschaft ebenfalls auslöschen, wenn sie die Gelegenheit hätten. Diesen Extremismus, der für uns alle gefährlich ist, müssen wir bekämpfen.

Was war bisher Dein schönster HAWAR.help-Moment?

Der bisher schönste Moment war für mich nach der Bootstour mit den Teilnehmer/innen: Viele haben sich herzlich bei mir bedankt und es kam zum Ausdruck, dass der Ausflug ihnen richtig gut getan hat. Zu sehen, dass die Kinder, Frauen und Männer trotz Trauma auch wieder lachen können, ist ebenfalls sehr schön.

Wenn Du HAWAR.help in drei Wörtern beschreiben müsstest, welche wären das?

Freiheit, Selbstbestimmung, Frauenpower.