BACK TO LIFE: Vor einem Virus kann man nicht flüchten

Von unseren Mitarbeiter*innen Aylin und Havend, die vor Ort die Aktivitäten in unserem BACK TO LIFE Zentrum betreuen, wissen wir, dass seit dem 18. März für die Bewohner des Camps die absolute Ausgangssperre gilt. Offiziellen Angaben zufolge haben sich Irak-weit bisher 350 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert, mindestens 29 starben. Auch im Camp herrscht eine große Angst vor, sich zu infizieren. Das hätte nicht nur verheerende Folgen für den je Einzelnen, sondern für das gesamte Camp: Wirksame Tests, um eine Infizierung nachzuweisen, gibt es nicht und Möglichkeiten, infizierte von gesunden Camp Bewohner*innen zu isolieren und medizinisch zu behandeln, sind nahezu nicht gegeben. Die Menschen leben teilweise in Containern auf engstem Raum, was die Ansteckungsgefahr enorm erhöhen würde, wenn jemand zum Träger des Virus würde. Social distancing ist faktisch unmöglich.

Aylin, die mit etwa 15 Frauen im Camp therapeutisch arbeitet, berichtet, dass die Stimmung innerhalb der Familien sehr gereizt ist. Die Familienmitglieder haben alle auf ihre Weise mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen, die sich in der gegenwärtigen Lage verstärken. Einige der Frauen, mit denen wir arbeiten, sehen sich der Gefahr häuslicher Gewalt ausgesetzt; ein ernsthaftes Problem, wenn man sich vor Augen führt, dass die Frauen die Unterkünfte nicht verlassen dürfen. Vor der Corona-Krise hatten die Frauen in den psychosozialen Betreuungsgesprächen den Wunsch geäußert, dass ihre Ehemänner mit ins Boot geholt werden. Perspektivisch waren alle Beteiligten bereit, die Einzelgespräche in eine familientherapeutische Form zu überführen, um auf andere Weise an den Traumata zu arbeiten und auch die Männer von Aylins Expertise profitieren zu lassen.

Havend berichtet, dass die jüngeren Campbewohner*innen sehr von den Workshops und Schulen im Camp profitiert hätten. Junge Männer, die vor ihrem Leben im Camp auf Farms gearbeitet hätten, sogar so sehr, dass manche von ihnen ein Studium in der nahe gelegenen Stadt aufgenommen haben.

Wir hoffen, dass die Situation sich bald wieder soweit normalisiert, dass die Menschen im Camp ihren Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben wieder aufnehmen können!